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11. Nov. 2013 gdi-Männerbefragung: Lieber mehr Freizeit bei weniger Geld als umgekehrt

10.11.2013
Susanne Schwanzer

Über zwei Drittel der berufstätigen Männer in Österreich würden für mehr Zeit sogar auf Geld verzichten.

Unter den befragten Vätern ziehen sogar 85% die Variante „lieber mehr Zeit bei weniger Geld“ der umgekehrten vor. Das männliche Bedürfnis nach mehr Work Life-Balance bzw. Vereinbarkeit von Familie und Beruf zieht sich durch alle Hierarchieebenen. Befragt, was sich dafür in ihren Unternehmen ändern müsste, nennen 62% der Befragten an erster Stelle eine „veränderte Unternehmenskultur“, gefolgt von „flexiblere Arbeitszeiten“ (58%), „Teilzeit in Führungspositionen“ und „betriebliche Kinderbetreuungsangebote“ (je 27%).

Frauen sind es gewohnt, dass ihre Karrierebereitschaft oftmals in Zusammenhang gesehen wird mit dem Wunsch nach Familie bzw. dem Bedürfnis nach Vereinbarkeit von Beruf und Familie. gdi-consulting, eine Beraterinnengruppe für Gender, Diversity und Inclusion, hat in Kooperation mit Pedersen & Partners, einem internationalen Executive Search-Unternehmen, das Thema aktuell auch einmal unter Männern nachgefragt. 246 Männer – darunter 35% im mittleren und 27% im oberen Management, die anderen selbstständig oder ohne Führungsaufgabe – beantworteten österreichweit den Online-Fragebogen. Zentrales Ergebnis: Auch Männer sehen ein Vereinbarkeitsproblem: 66% aller Befragten und 85% der Männer mit Kindern geben der Option „mehr Zeit, weniger Geld“ den Vorzug. Sehr hoch auch die Zahl der Männer, die das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf als wichtig oder sehr wichtig ansehen: 93%.

Unternehmenskultur ist Haupthindernis für bessere Vereinbarkeit

Damit die angestrebte Work-Life-Balance besser gelingen kann, nennen die befragten Männer eine Änderung der Unternehmenskultur in ihrer jetzigen Firma als wichtigste Voraussetzung. „62% reihen den Faktor Kulturveränderung an 1. Stelle – ein deutlicher Appell an die Arbeitgeber“, so die Umfrageautorinnen Gerhild Deutinger, Susanne Schwanzer und Gabriele Strodl-Sollak von gdi-consulting. Eine Forderung, die umso mehr Gewicht bekommt, als auch bei der gdi-Befragung von Frauen im Management im Frühjahr dieses Jahres die Unternehmenskultur an erster Stelle genannt wurde – damals als Haupthindernis für weiblichen Aufstieg.

Abbildung 1 – Quelle: gdi-consulting und Pedersen&Partners

58% aller berufstätigen Männer wollen flexiblere Arbeitszeitmodelle

Am zweithäufigsten fordern die aktuell befragten Männer mit 58% die Einführung von flexibleren Arbeitsmodellen. Auf Platz 3 liegt der Wunsch nach Führen in Teilzeit (27%) ex äquo mit Kinderbetreuungsmöglichkeiten in der Firma (Mehrfachnennungen waren möglich). „Männer sehen starre Arbeits- und Anwesenheitszeiten als Haupthindernisse für bessere Vereinbarkeit. Wesentlich ist, dass die theoretischen Möglichkeiten, die einige Unternehmen schon bieten, tatsächlich in der Praxis gelebt werden können: z.B. mit variableren Arbeitszeitmodellen, Home-Office und Job Sharing. Sowohl in der fachlichen Zusammenarbeit als auch im Führungsverhalten sollte damit viel selbstverständlicher umgegangen werden. Das Alles ist Teil der Unternehmenskultur – und die gestaltbar“, sind die Beraterinnen von gdi-consulting überzeugt.

Abbildung 2  –   Quelle: gdi-consulting und Pedersen&Partners

Große Arbeitszufriedenheit – internen Arbeitsmarkt öffnen

Grundsätzlich ist die Arbeitszufriedenheit bei den Befragten groß: Drei Viertel der befrag-ten Männer (76%) sind mit ihrem jetzigen Job zufrieden oder sehr zufrieden; 21% sind weniger zufrieden, nur 3% gar nicht. Ebenfalls sehr hoch ist der Anteil jener, die mit ihrem Gehalt sehr zufrieden oder zufrieden sind (76%). Weniger als 40% aller befragten Männer strebt generell eine höhere Position an (39%). Zum Vergleich: Bei den im Früh-jahr befragten Frauen waren es 56%, die bei dieser Frage ihre grundsätzliche Karriere-bereitschaft bekundeten.
Abbildung 2  – Quelle: gdi-consulting und Pedersen&Partners
Gefragt wurde auch, was sie bislang an einer höheren Position hinderte: „Für ein Fünftel der befragten Männer ist die Familie der Hauptgrund, warum sie ihre Karriere bislang nicht weiter vorantreiben“, fasst Conrad Pramböck von Pedersen & Partners die Befra-gungsergebnisse zusammen. Willkommen wäre dieses Verhalten bei noch wesentlich mehr Partnerinnen und Parntnern: „93 % der befragten Männer geben an, dass ihren Partnerinnen/ihren Partnern lieber wäre, dass sie mehr Freizeit haben, dafür auf Geld verzichten, als umgekehrt“, so Pramböck. Diese Zahl war bei Männern mit Kindern genauso hoch wie bei Kinderlosen. Für die Mehrheit (55%) der Männer ist eine fehlende adäquate Stelle der Grund für weitere Karriereschritte. Die Begründung, „ich habe es mir noch nicht zugetraut“ wird von 15% der Männer genannt – deutlich weniger als bei den im Frühjahr befragten Frauen (21,6%).

Abbildung 3  –   Quelle: gdi-consulting und Pedersen&Partners

Was die Studie einmal mehr belegt: Österreichs Männer sind laut eigener Einschätzung keine großen Job-Hopper. Der Wechsel zu anderen Arbeitgebern würde nur für 18% der Befragten eine Steigerung der Zufriedenheit bringen. Der Schluss, den die StudienautorInnen daraus ziehen: „Wir empfehle Unternehmen, mehr Wert auf interne Durchlässigkeit zu legen, damit um- und aufsteigen leichter möglich ist. Dies gepaart mit flexibleren Arbeitszeitmodellen schafft Spielräume für mehr Work Life Balance, familiäre Vereinbarkeit und stärkt die Motivation karrierebereiter Männer.“

Über das Studiendesign

Bei der online Umfrage haben zwischen 2.9 und 3.10.2013 246 berufstätige Männer aus ganz Österreich (Schwerpunkt Wien bzw. Wien-Umgebung) mitgemacht. 62% der Befragten sind Väter (verheiratet/Lebensgemeinschaft oder geschieden), 31% in Partnerschaft ohne Kind. 7% Single. Der Akademikeranteil bei dieser Umfrage lag bei 80%. Die Unternehmensgröße, aus denen die Befragten kommen, reicht von Kleinstunternehmen (1-10 MitarbeiterInnen) bis zu Konzernen. Bei der hierarchische Position innerhalb des Betriebs gab es einen leichten Überhang von Mitarbeitern aus dem mittleren Management (35%); 27% oberes Management; 17% ohne Leitungsfunktion; 21% Selbständige.

Über die StudienautorInnen

  • gdi-consulting ist ein Zusammenschluss von Expertinnen für Gender, Diversity und Inclusion. Gegründet 2012 von Gerhild Deutinger, Susanne Schwanzer und Gabriele Strodl-Sollak, um Unternehmen zu begleiten und zu beraten, die in der größeren Vielfalt von Teams und Management einen entscheidenden Faktor sehen, den Unternehmenserfolg zu sichern und zu steigern.
  • Pedersen & Partners ist ein internationales Executive Search-Unternehmen mit 51 Büros weltweit. Dr. Conrad Pramböck leitet bei Pedersen & Partners den Geschäftsbereich Compensation Consulting. Er ist in dieser Funktion für die Beratung von Unternehmen in Gehalts- und Karrierefragen verantwortlich.

Laden Sie hier die obige Presseinformation als pdf herunter.
Lesen Sie hier alle Ergebnisse der Befragung im Summary Männerbefragung 2013 nach.