Neue Studie von gdi-consulting: Frauen-Karrieren-Quoten
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30. April 2017: Gender Pay Gap gilt als gerechtfertigt – Studienexperiment

18.05.2017
Susanne Schwanzer

Studienautor Thomas Hinz von der Universität Konstanz und seine Co-AutorInnen Carsten Sauer und Katrin Auspurg dachten sich für ein Studienexperiment fiktive Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus. Diese statteten sie mit unterschiedlichen Ausbildungen und Qualifikationen, unterschiedlichen Erfahrungen und unterschiedlicher Leistungsfähigkeit bzw. -bereitschaft aus. Die so ausgedachten Profile bekamen 1600 UmfrageteilnehmerInnen vorgelegt, samt einem vorgeschlagenen Gehalt. Die Frage, welche die StudienteilnehmerInnen beantworten sollten, lautete: Ist dieses Gehalt fair? Oder ungerecht hoch bzw. ungerecht niedrig – in insges. 5 Abstufungen.

Frauen wie Männer sind gleich ungerecht

Das Ergebnis: Frauen wurde bei gleicher Qualifikation weniger Geld zugeteilt als Männern. Die StudienteilnehmerInnen nahmen die Informationen auf, verglichen Leistungsfähigkeit der fiktiven BewerberInnen, zur Ausbildung und Stellenbeschreibung – und fanden am Ende, dass Frauen durchweg etwas weniger bekommen sollten. Ein Abstand von 6 bis 8 Prozent, also das, was dem sog. bereinigten Gender Pay Gap entspricht. Der bereinigte Gender Pay Gap ist jener Abstand zwischen Frauen- und Männegehältern, der sich ergibt, wenn man aus dem unbereinigten Gender Pay Gyp von durchschnittlich 21% jene Einbußen herausrechnet, die durch Kinderunterbrechungszeiten, verminderte Aufstiegschancen in Teilzeit u.Ä. entstehen, und nur jenen Teil belässt, der tatsächlich einzig und allein durch biologisches Frausein oder Mannsein dann immer noch als Abstand übrigbleibt. Vgl. dazu hier auch die Studie der WU Wien, bei der exakt ident qualifizierte und gleich ambitionierte Frauen und Männer zu statistischen Zwillingspaaren zusammengefasst und 10 Jahre lang in ihrer Karriere- und Gehaltsentwicklung verfolgt wurden.)

Die Erklärung: Bestehende Verhältnisse formen das Denken und die Erwartungen – der Gender Pay Gap ist das, was als normal gilt

Die wesentlichste Erklärung laut StudienautorInnen lautet: Die normative Kraft des Faktischen! Bestehenden Verhältnisse formen Erwartungen bzw. lassen etwas, obwohl es ungleich und ungerecht ist, als normal – und damit als gerechtfertigt erscheinen. Daraus folgt auch: Gehaltstransparenz alleine hilft als Instrument nicht. Denn was, wenn alle im Betrieb Bescheid wissen, dass der Gender Pay Gap 8-10% beträgt – es aber als normal empfinden – und daher als gefälligst zu akzeptieren? Dann werden sie sich schwer tun, etwas dagegen zu unternehmen. Sinnvoller hingegen finden die StudienautorInnen, die Gehaltstransparenz mit Quoten zu verknüpfen, denn so könnten neue, andere Geschlechterverteilungen über die Hierarchieebenen hinweg langfristig herbeigeführt werden – also neue „Normalitäten“ geschaffen werden. Und wenn man immer mehr Frauen in hohen und fordernden Positionen erlebt, dann wird es hoffentlich auch normal, diesen die entsprechenden Gehälter zu zahlen. Den ganzen Artikel zur Studie auf Spiegel online finden Sie hier. Einen Überblick über die multifaktorielle Ursachen des Gender Pay Gap, der soeben von den oben genannten StudienautorInnen im American Sociological Review erschien, finden Sie hier.