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04. Mai 2017: Studie zeigt: Frauen arbeiten knapp die Hälfte des Tages unbezahlt

09.10.2017
Susanne Schwanzer

Insgesamt arbeiten Frauen und Männer pro Tag beinahe gleich viel bzw. lang.
Nur, dass Frauen dabei nur für einen Teil der Arbeit bezahlt werden. Partnerschaftliche Arbeitsteilung der unbezahlten Arbeit ist nicht nur nicht selbstverständlich, sondern seltene Ausnahme.

Eine aktuelle Studie aus Deutschland zeigt, wie traditionell und geschlechterstereotyp sich die Realität im Zusammenleben gestaltet: Hausarbeit, Kinderbetreuung oder Pflege von älteren oder kranken Menschen leisten in deutschen Haushalten noch immer vorwiegend Frauen.

Das hat eine aktuelle Auswertung des WSI GenderDatenPortals ergeben. Dem liegen Erhebungen zur Zeitverwendung aus den Jahren 2013 und 2014 zugrunde. Frauen im Alter zwischen 18 bis 64 Jahren verwenden 2,4-mal so viel Zeit für unbezahlte Fürsorgearbeit und 1,6-mal so viel für Hausarbeit wie Männer in der gleichen Altersspanne.

Bei Erwerbstätigen mit Kindern vergrößert sich dieser Unterschied noch weiter. Denn dann sind Männer und Frauen zeitlich gleichermaßen beansprucht – bei Männern ist allerdings ein viel höherer Anteil der Gesamtarbeitszeit entlohnt. Sie arbeiten insgesamt 7:40 Stunden pro Tag, Frauen um vier Minuten länger. Männer bekommen aber mehr Stunden bezahlt, nämlich 5:32. Frauen arbeiten pro Tag nur 4:15 Stunden bezahlt, die restlichen 3:29 Stunden bestehen aus unbezahlter Arbeit.

Wenn Frau und Mann zusammenleben und beide Vollzeit tätig sind, gleicht dies die Schieflage nicht aus. In Deutschland wie auch in Österreich arbeitet fast jede zweite Frau Teilzeit. Unter Müttern ist Vollzeitarbeit in beiden Ländern sogar die Ausnahme (in Österreich sind 67,3 Prozent der Frauen mit Kind teilzeitbeschäftigt). Väter arbeiten indessen fast immer durchgängig Vollzeit. Diese Aufteilung der Erwerbsarbeit schlägt sich maßgeblich in ebenso ungleicher Verteilung von unentgeltlicher Familienarbeit nieder. Deutscher Männer in Vollzeitstellen bekommen mit 73 Prozent den Großteil ihrer Gesamtarbeitszeit bezahlt, Teilzeitbeschäftigte Frauen hingegen werden nur für 43 Prozent ihrer Gesamtarbeitszeit entlohnt.

Die Schieflage ändert sich nicht einmal, wenn kleine Kinder im Haushalt versorgt werden und parallel beide Elternteile Vollzeit arbeiten. Väter in Vollzeitstellen haben die längste Gesamtarbeitszeit: 9:11 Stunden. Davon verwenden sie nur ein Drittel auf Kinderbetreuung, Hausarbeit oder Pflegetätigkeiten. Vollzeitbeschäftigte Mütter wenden hingegen mehr als die Hälfte ihrer Gesamtarbeitszeit für unentgeltliche Arbeit auf, bei teilzeitbeschäftigten Müttern sind es sogar fast 70 Prozent ihrer Gesamtarbeitszeit. Faire Aufteilung in weiter Ferne

Neben der Betreuung von Kindern ist die Pflege von Angehörigen ein weiterer großer Bereich der Fürsorgearbeit. Frauen stellen in Deutschland mit 2,35 Millionen Pflegepersonen fast zwei Drittel derjenigen, die unbezahlt Angehörige pflegen. Drei Prozent der Frauen, aber nur ein Prozent der Männer bringen täglich mindestens zwei Stunden für die Pflegearbeit auf. Frauen pflegen andere Menschen auch parallel zu ihrem Erwerbsleben, also bis zum 65. Lebensjahr, während die meisten Männer eher später im Lebensverlauf pflegen. In der Altersgruppe ab 75 pflegen Frauen hingegen seltener als Männer, weil Frauen häufiger verwitwet sind und somit keinen Partner mehr betreuen. „Von einer gleichmäßigen Aufteilung der bezahlten und unbezahlten Arbeit zwischen Frauen und Männern kann bislang keine Rede sein“, heißt es in einer Aussendung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts zur Studie. Um bessere Bedingungen für die Vereinbarkeit von Erwerbs- und Sorgearbeit zu erreichen, müsste „berufliche Gleichstellung von Frauen und Männern mit Anreizen für eine Umverteilung von unbezahlter Arbeit hin zu Männern verknüpft“ werden, schreiben die Wissenschafterinnen und Wissenschafter abschließend.

Link zum zusammenfassenden Artikel im Standard

Link zur Studie und deren Datenquellen, Wirtschafts- & Sozialwissenschaftliches Institut der Hans Böckler-Stiftung